Michael Schick – Besuch in den “Heiligen Hallen” des Essener Messermachers

Auf den wenigen Treffen von Messerfreunden in meinem Einzugsgebiet, die ich bisher besucht hatte, war er mir gleich aufgefallen. So ein grosser Typ, stets dunkel und mit einer Lederweste bekleidet. Kein “Plappermaul” so wie ich, sondern recht zurückhaltend. Michael Schick eben.

Wenn es aber um’s Messermachen geht, dann funkeln seine Augen und alle Fragen die man zum Thema stellt, werden bis ins Detail beantwortet. Solche Menschen mag ich!
Die “Halb- und Fertig-Fabrikate”, die er i.A. dabei hatte, waren mir persönlich zwar von der Grösse immer etwas grenzwertig erschienen, aber von der Machart eigentlich absolut mein Geschmack.

Kein Wunder also, dass ich beim letzten Monatstreffen in Grevenbroich mit ihm ins Gespräch kam und ich ihn kurzerhand fragte, ob ein Besuch in seiner Messerwerkstatt möglich sei.
Klar doch, kein Problem, ruf einfach an und wir klären den Termin!”

Gesagt getan… und zwar recht zügig, denn ich war doch neugierig, wo und wie so wunderbare Schneidwerkzeuge entstehen.

Kaum mehr als 15 Minuten von meiner Wohnung entfernt, im Keller eines mehrstöckigen Mietshauses, mitten in Essen gelegen, trafen wir uns dann.

Der erste Eindruck: Uiii, ganz schön voll hier!
Im Eingangsraum der Werkstatt 2 moderne, drehzahlgeregelte Band-Schleifmaschinen.
Regale voll von Bändern unterschiedlichster Körnung und ein grosses Absauggerät.

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Typisches Handwerkszeug im unmittelbaren Zugriff an der Werkbank

Im 2. Raum ebenfalls vollgepackt mit Gerätschaften, eine Werkbank und ein Arbeitstisch angehäuft mit Rohlingen, Halbfertigteilen und Handwerkszeugen aller Art, dazu ein sehr stabiler Schraubstock.

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Hier liegt noch Arbeit für die kommenden Tage vor der nächsten Messe

An den Wänden rundum Regale mit Kartonagen, vollgepackt mit “geheimnisvollen” Materialien… für mich kaum vorstellbar, sich in diesem kreativen “Chaos” zurecht zu finden.

Ganz anders der Meister himself. Bei keiner Frage dauert es länger als einen Wimpernschlag und Michael zieht mit traumwandlerischer Sicherheit, nahezu ferngesteuert, aus einer der geheimnisvollen Kisten ein Stück Material, nach dem ich gefragt habe. Wirklich unglaublich, was hier alles an Vorräten liegt.
Erstaunlich auch, wie unansehnlich viele Werkstoffe im Rohzustand aussehen; ich hätte das Meiste in den Müll geworfen, sah irgendwie aus wie trockenes Brennholz. So eine “halbvergammelte” Seekuhrippe hat mit dem, was Micha da am Ende daraus macht, kaum etwas zu tun.

Bei der Frage: “Was hattest du dir denn für ein Messer vorgestellt?” hatte ich jetzt erwartet, es würde eine Handskizze mit Massen etc. gemacht und laaange hin und her diskutiert und Verworfen, bis es endlich los geht…

Nix da, bei Micha ist das anders. Als Mann der Tat greift er gleich in die Vollen.

“Hier hab ich was mit 300 Lagen!
Zu gross?
OK, dann nehmen wir mal das hier!
Nicht so fett, eher ein Slicer soll es werden?
Kein Problem, dann nehmen wir mal diesen geschmiedeten Rohling hier!”

Mit dem Filzstift ein paar grobe Striche auf’s “natürlich persönlich” handgeschmiedete Flachmaterial, raus die Flex und … schwupp die wupp. Da haben wir schon die grobe Rohform.

Hey, das ist ja toll, so fix geht das mit der Flex und sogar “frei Hand“!

Nun beginnen Michas Augen wieder zu glänzen.
“Fühl mal die Klinge! Überhaupt nicht warm geworden! Ja, das sind tolle Trenn-Scheiben; hab ich gerade erst “gefunden” das Zeugs. Tolles Werkzeug!”
Michael ist in SEINEM Element. Ich merke, wie auch meine Begeisterung steigt.

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Die Aussenkontur wird verfeinert…

Jetzt ab in den “Schleifraum”, die 3. Zigarette zwischen den Lippen geht’s an den ersten Bandschleifer. Das Ding geht ab wie ein Zäpfchen.
In maximal 2 Minuten ist alles weg, was nicht zum Messer gehört. Auch hier wieder die absolute Begeisterung… da kann man die Klinge anfassen, ohne sich Brandblasen einzuhandeln… ich find’s toll und Überlege bereits, “dass Messermachen doch eigentlich ganz einfach ist”.

Auf der planen Fläche des Bandschleifers gehts an die eigentliche Klingengeometrie

Auf der planen Fläche des Bandschleifers gehts an die eigentliche Klingengeometrie

Nein, die Klinge wird tatsächlich NICHT heiss, oder hat der Mann Finger aus Stahl?

Nein, die Klinge wird tatsächlich NICHT heiss, oder hat der Mann Finger aus Stahl?

Fingerspitzengefühl gepaart mit Augenmass...

Fingerspitzengefühl gepaart mit Augenmass… das ist typisch für Michael Schick

Ja, die Grundform wär’ so schon OK.
Nun die Klinge mit Grobschliff versehen.
Rasant und kaum Funkenflug, erstaunlich.
Eigentlich wollte ich doch Fotos machen, aber Michael ist so fix bei der Sache, dass ich kaum mit komme.

Kaum Funken auf dem Band... die hier waren eine echte "fotografische" Glückssache

Kaum Funken auf dem Band… die hier waren eine echte “fotografische” Glückssache

Jetzt auf den 2. Bandschleifer mit feinerem Korn.
Ssssssttttt!
Wie denn, dass war’s schon?

Also jetzt mal in echt, tatsächlich, das sieht wirklich “fast fertig aus. Und alles frei Hand und mit Augenmass.
Der Schliff absolut symmetrisch. “Bohh ey, Micha echt geil!”… denke ich so bei mir!

Jetzt schnell mal sehen, wie das “Damast-Muster rauskommt”?
Rein mit der Damast-Klinge in ein altes Glas mit ????? Mit dem Lappen drüber, und…

“Ach, Mist, da hab ich doch wohl den falsche Rohling gegriffen, nur 240 Lagen.
Du wolltest ja sowieso mindestens 600 Lagen? OK, das mach ich dann mal in Ruhe.
Lass uns aber mal eben nach geeignetem Material für den Griff sehen!”

Hirsch und Co. ... gibts genug in Michas Regalen

Hirsch und Co. … gibts zur Genüge in Michas Regalen

Ein paar Kartons im Regal hin und her geschoben, ein paar dieser “Brennholz”-Dinger zurückgelegt…
“Da haben wir doch was, das sollte gehen!”

Seekuh... das also soll die "berühmte" Griffschalen-Rippe sein? Hätte ich ich im Leben nicht gedacht!

Seekuh… aha, das also soll die “berühmte” Griffschalen-Rippe sein? Hätte ich ich im Leben nicht gedacht!

Kontrolle, ob die Breite ausreicht... gerade genug ist es auch!

Kurze Kontrolle, ob die Breite ausreicht… gerade genug ist es auch!

Rein in den Schraubstock, Bügelsäge raus und ritschratsch… jawohl, die Länge passtvexakt zu meiner Hand.

Beim Micha geht das echt fix, da wird nicht lange gefackelt!

Bei Michael geht das echt fix und ohne grosse Worte, da wird nicht lange gefackelt!

Zurück in den Schleifraum.
Jetzt mit Absaugung und Atemmaske, denn die alte Rippe verbreitet beim Schleifen mehr als unangenehme Gerüche.
Dazu noch härter als ich dachte, das gute Stück!

Jetzt doch lieber mit "Maske" und Absaugung, schließlich ist die "Kuh" schon länger tot...

Jetzt doch lieber mit “Maske” und Absaugung, schließlich ist die “Kuh” schon länger tot…

An dieser Stelle sind wir uns mal nicht einig.

Micha:
“Das lassen wir jetzt so, sonst wird’s zu dünn! Ein paar naturbelassene Stellen sehen sowieso super aus!”

pepe:
“Mhhh, magst recht haben, aber ICH mag’s doch lieber absolut symmetrisch und rundum glatt!”

Micha:
“Kein Problem, jetzt weiss ich ja, was du genau willst, das mach ich dann besser mal in Ruhe.
Jetzt muss ich sowieso noch ein paar Sachen für die Messe am Wochenende vorbereiten.”

Oha, ich hatte gar nicht auf die Uhr gesehen, es war einfach zu interessant, bei Micha über die Schulter zu sehen und ihm beim Entstehen eines Messers folgen.

Klar, da wäre sicher noch so Einiges an Feinarbeit erforderlich gewesen, aber ich habe eine Menge gesehen und gelernt, wie:

  • Gutes Werkzeug ist wichtig, wenn nicht unabdingbar!
  • Eine ruhige Hand und ein gutes Augenmass ist zwingend!
  • Eine Menge Übung, um das angestrebte Ergebnis auch realisieren zu können ein Muss!
  • Erstklassiges Rohmaterial und gute Kenntnis, es zu bearbeiten muss ausreichend vorhanden sein!
  • Nichts aber geht über Begeisterung bei der Arbeit und die ist bei Micha absolut spürbar!
  • Und garantiert noch einige andere, geheimnisvolle Dinge, die aus eine paar Werkstoffen ein Traum-Messer machen.

Eins ist aber nach meinem Besuch bei Micha für mich gewiss:
Wer SEIN neues Custom-Messer bei Michael Schick in Auftrag gibt, der hat garantiert keinen Fehler gemacht.

Ich jedenfalls würde gerne wieder kommen… am Besten, wenn ich MEIN Traum-Messer dabei abholen könnte!

Danke, Micha, für die Zeit, die Du dir für meine Fragen genommen hast.
Deine Begeisterung hat mich angesteckt! 

HUBERTUS kann natürlich auch KLEIN !

Nachdem ich gerade die grösseren Schnitter von HUBERTUS zum Thema hatte, hier als Kontrast mal die kleine, die 10er Serie der Jagdklapper, umgangssprachlich als “Westfälische Adelsmesser” bezeichnet. Ob die hohen Herren die jagdliche Arbeit lieber vom Fussvolk mit den grossen Messern haben machen lassen und deshalb mit weniger Klingenlänge ausgekommen sind, kann ich nicht sagen. Aber die kleinen knuffigen Burschen sind ebenso stabil gebaut, wie die grösseren Brüder des selben Hauses und werden so schnell nicht davor zurückschrecken, die Gran Reserva Cohiba Siglo genüsslich anzuschneiden, oder die S.Bang (natürlich) persönlich zu reinigen.

Mit 80 mm Länge im zusammengeklappten Zustand, der versenkten Klingen-Entriegelung und dem komplett versenkt angeordneten Klingenrücken, rutschen die kleinen Schneidteufel in die kleinste Westentasche. Die sind so putzig, dass selbst beim Kirchgang der Herr Pfarrer keine Miene verziehen wird, sollte es einmal notwendig sein, bei der Gelegenheit so einen kleinen Zwerg mal aus der Tasche zu ziehen!

Als exemplarischer Vertreter der 10er Serie, das Modell HUBERTUS 10.300.HH.00 mit nur einer Klinge

Wer hat’s bemerkt? Das kleine Messerchen hat tatsächlich 2 Nagelhaue (sagt man das so?).
Da freut sich natürlich der Linkshänder!

Längenvergleich mit dem “Grossen Bruder” 13.334.HH.00 … das sind schon Unterschiede!

Weil so ein Victorinox ALOX mit 93 mm Länge wohl jeder kennt, auch hier mal der Vergleich!

 

HUBERTUS räumt auf!

“Der verschollene Schatz mit den ‘goldenen’ Hahneköppen.”

Ein Tipp vorab für die Freunde der “tactical” Abteilung:
Für euch ist das hier wahrscheinlich nix! Geht vielleicht besser woanders spielen, sonst langweilt ihr euch noch zu Tode!
Andererseites: Ist doch immer gut zu wissen, was die Mädels im anderen Sandkasten so spielen 😉

Wer aber zur “jagenden Zunft” gehört oder Messer mit Hirsch-Beschalung einfach mag… hier gehts weiter:

Wer mich kennt, weiss, dass ich seit meinem Besuch bei der Firma HUBERTUS in Solingen im vergangenen Jahr, neu entbrannt bin, für Messer mit Hirschhorn-Griffschalen oder anderen natürlichen Materialien.
Nicht, dass ich G10Micarta oder Carbon Fiber nicht mag, aber Natur ist eben Natur!

Als ich zum ersten mal im Werksverkauf bei HUBERTUS vor der “Vitrine mit den 1.000 Messern” stand, war ich vollkommen überfordert, aber nach 2-3 weiteren Besuchen traf mein Auge immer häufiger auf die handlichen Jagd-Klapper. Natürlich sind die Fixed der Firma HUBERTUS beeindruckend, aber als Grossstadt-Indianer, der allenfalls mal ne “Currywurst an der Ecke” verdrücken möchte – wenn die BEVA es nicht unbedingt merkt – für den ist so ein “halbierbarer” Schneidteufel die vernünftigere Wahl.

In 5 sinnvollen abgestuften Grössen sind Serie mit unterschiedlichster “Bestückung” vorhanden.
Von Serie “10” > bis > Serie “14”

Von den 5 Haupt-Serien der Hirschlinge, die im Verkaufsprogramm bei HUBERTS greifbar sind, war mir schnell klar, die Serie 13 sollte es sein. Denn nur die hatte die “Solinger Traditionsbacken” in Form eines “Hahnekopps“. Backen die 3 dimensional tailliert, wunderbaren Halt gebieten, sollte die Finger mal in Richtung Klinge rutschen wollen.

Wenn Sie gerne weiter lesen möchten…

Erste Experimente mit dem Leder-Abziehriemen

Das Vorwort zum Vorwort:
Manchmal ist es wie verhext und alles läuft schief. Mir ging es mit diesem Passaround der blade-community.de so und einen vernünftigen TEST-Bericht werde ich hier nicht zusammenbringen können. Warum das so kam, will kurz  beschreiben.

Der Prolog:
“Eine Hochzeit und 2 Todesfälle…”
Als ich die Ankündigung zu diesem Passaround las, war ich gleich Feuer und Flamme, denn die Anschaffung eines Streichriemens war längst überfällig. Nach etwa 300 Messern, die ich mir in den vergangenen 3 Jahren angeschafft hatte, war es einfach an der Zeit. Wenn ich auch kaum zum Schneiden kommen konnte und dabei natürlich kaum ein Messer hatte wirklich stumpf werden können… irgendwie ist der echte “Messer-Verrückte” immer auf dem Quäntchen Schärfe, was aus dem soeben erstandenen technischen Meisterwerk internationaler Spitzen-Metallurgen noch raus gekitzelt werden kann.
Auch die diversen Oldies, die überwiegend aus dem fernen Amerika angereist waren, und nach 40 und mehr Jahren in einer Vitrine oder der Hosentasche eines Knife-Nuts sicherlich verbesserungswürdig waren, warteten schon lange auf einen vernünftigen Leder-Abziehriemen.

Überrascht war ich, auch mehreren Stunden nach Eröffnung der Anmeldezeit, dass ich immer noch der erste war… aber was solls, Glück gehabt!

Das war doch eigentlich ein gutes Zeichen und ich begann gleich, die entsprechenden Messer für einen umfangreichen Test hervorzukramen und die Reihenfolge für mein Testprogramms festzulegen. Die Rede anlässlich der am Wochenende stattfindenden Hochzeit eines unserer Patenkinder war längst fertig und lag zum Einstecken bereit auf dem Schreibtisch.

Nur die BEVA hatte Sorgen, ob ich mit diesem blöden Schafmacher-Dingens nicht meine Zeit für Unwichtiges verplempere… Frauen sind eben so.

Dank Tracking-Übermittlung der DHL war ich relativ zeitnah über den momentanen Verbleib des erwarteten Pakets im Bilde und der fragliche Tag war für meine Aktivitäten komplett frei gehalten… es konnte los gehen… ja “eigentlich”!

Ja, los ging allerdings erst einmal nix, denn am entscheidenden Tag brachte der Postbote morgens einen Briefumschlag mit schwarzem Trauerrand… oha! Das Leben ist unerbittlich und eine Familienangehörige, die “Jopi” noch als Kind gekannt haben muss, hatte es in die “Ewigen Jagdgründe” abberufen. Die alte Dame stand uns recht nahe und so war es klar, da würde ich mich kümmern müssen.
Neben Adressen schreiben (gut das mein “MAC” alles gut vorbereitet “im Kopf” hatte) und eine Trauerrede entwerfen, war der Tag gelaufen.

Erst als am späten Abend DHL felsenfest der Überzeugung war, das erwartete Paket sei bereits an mich ausgeliefert worden, wurde ich unruhig. Hier war kein Paket und auch keine Benachrichtigung eingetrudelt… Mist, auch das noch! Ich hatte doch das Haus keine Minute verlassen!

Erst am kommenden Tag konnte ich herausfinden, dass der freundliche Paketbote das Paket gleich beim “Grossvater nebenan” abgegeben hatte, als er meinen PKW nicht vor der Türe hatte stehen sehen. Das war ja gelungen! Umso mehr sogar, als er (Nachbars Grossvater) sich anschliessend in die Klinik abgesetzt hatte, um dort 2 Tage bei der Dialyse zu verbringen. Na ja, was soll man da mache, würde also der Test ein paar Tage später stattfinden müssen.

Noch vor dem Start zur Hochzeitfeier im fernen Bayern dann die nächste Hiobsbotschaft… der nächste Todesfall im erweiterten Freundeskreis. So ist das Leben eben, nach weit mehr als 90 Jahren… man hatte schon lange damit gerechnet. Hier waren zwar keine Adressen zu schreiben, aber es war der Wunsch der Verstorbenen gewesen das ICH einmal bei Ihrem Tode die Rede halten möge… Oha, welche unerwartete Ehre und Verpflichtung zugleich.

Jetzt wurde es aber eng mit den Terminen!

Am Wochenende erst einmal die Hochzeit in Bayern… lief gut, schön so viele glückliche Leute zu sehen. Herzerfrischend! Die geplante Lederhose samt Trachtenmesser habe ich dann doch nicht angezogen; eingedenk der soeben verstorbenen Tante war der dunkele Anzug meine “Tracht”!

Zum Wochenbeginn dann gleich die Beerdigung Nr. 1, lief auch gut, die Rede meine ich. Viel “Kuchen Essen” und viele “Hände Schütteln”, viele “Schultern Klopfen”… na, das Übliche eben.

Am kommenden Tag dann endlich, leider nur “zwischen Tür und Angel” war endlich “ein Stündchen” Zeit für das Paket mit dem Streichriemen… mehr leider nicht, denn meine “Testzeit” war abgelaufen und die 2. Beerdigung stand an, einschliesslich Rede. Auch die übrigens “lief reibungslos”, ich hatte mir mit dieser Rede besondere Mühe gegeben, es gab etliche Lacher und so wurde ich anschliessend sogar nach dem Text gefragt (wenn das mein alter Deutschlehrer noch erlebt hätte)… OK, das Konzept hatte ich ja in der Tasche.

Eigentlich geht es ja hier erst los mit meinem unbeholfenen Experiment:
Tja, und nun stehe ich da, mit lediglich einer Hand voll wenig aussagekräftiger Fotos und schreibe aus der Erinnerung, “Was ich wie mit dem Streichriemen in der kurzen Zeit versucht habe”!

BILD 1: Man was für ein Paket! Aber wo ist denn jetzt der Streichriemen ?

BILD 1: Man was für ein Paket! Aber wo ist denn jetzt der Streichriemen ?

Das Paket war “riesig”. Auf den Fotos hatte der hübsche Streichriemen doch so schlank und leicht ausgesehen, das ich mich gleich gefragt hatte, ob der denn auch für die langen Küchenmesser der BEVA geeignet sein könnte. Nach dem Öffnen dann die Aufklärung, der überwiegende Inhalt bestand aus Füllmasse (Papier). Das eigenliche Objekt der Begierde steckte in einem A4 Umschlag um die beigelegte Zeitschrift nicht zu versauen.
Wegen der oben beschriebenen Ereignisse wäre für die Zeitschrift alerdings keine Zeit gewesen… Gott sei Dank hatte ich die aber bereits einige Tage zuvor selbst gekauft und auch gleich gelesen.

BILD 2: Gott sei Dank, doch recht handlich der eigentliche Inhalt!

BILD 2: Gott sei Dank, doch recht handlich der eigentliche Inhalt!

Ja, er ist schlank… sehr schlank sogar, aber dafür lang, was ja bei Riemen aller Art durchaus von Vorteil sein kann. In Anbetracht der knappen Zeit und der Länge unserer Kochmesser hatte ich eben diese dann lieber ausgelassen und mich nur mit den Taschenmessern beschäftigt.

BILD 3: Meine Versuchsausrüstung mit den selektierten Aspiranten

BILD 3: Meine Versuchsausrüstung mit den selektierten Aspiranten

BILD 4: Sehr schön gemacht, der Abziehriemen, war (nicht nur) der erste Eindruck!

BILD 4: Sehr schön gemacht, der Abziehriemen, war (nicht nur) der erste Eindruck!

Wenn man so ein “Gerät” bisher nicht genutzt hat, steh man natürlich vor einigen Fragen?

Ist da überhaupt noch genug Paste drauf?

Ein paar zaghafte Versuche zeigten zumindest, da setzte sich sehr schnell ein schwarzer Belag ab und die Messerschneide begann, stärker zu glänzen. Also war das zunächst mal gut so.

BILD 5: Wie denn jetzt: Spitze zuerst?

BILD 5: Wie denn jetzt: Spitze zuerst?

BILD 6: Vielleicht doch lieber anders herum und am Ende beginnen?

BILD 6: Vielleicht doch lieber anders herum und am Ende beginnen?

Aber wie und in welchem Winkel war zu arbeiten, lieber an der Spitze beginnend oder doch besser am Rikasso? Beides funktionierte gleichermassen, aber beim “Tip first” Verfahren wurden die Bewegungen deutlich flüssiger und ich bin dann dabei geblieben.

BILD 7: Da kommt ja ganz schön was an Metall runter!

BILD 7: Da kommt ja ganz schön was an Metall runter!

Als dann nach einigen Minuten der Riemen schwarz die Schärfe aber nicht merklich besser wurde (Papiertest) hab ich noch einmal nachgedacht und mir eine Lupe zu Rate gezogen. Mein 1. Testmesser war ein Svörd Peasant, das frisch geliefert noch die “Fabrikschärfe” hatte. Sehr ordentlich muss ich sagen, aber das lag anscheinend in der Art des Schärfens beim Hersteller, der mit einem groben Stein/Band eher eine Art feiner Sägezahnung produziert hatte. Dort waren nun lediglich die ersten Zahnflanken abgetragen, hatten den Riemen geschwärzt aber an echtem Abtrag im Bereich der Schneidenkante war noch keine Spur.

Mein erstes Ergebnis:
Zuerst immer den Sharpmaker anwenden für eine Grundschärfe, dann erst der Riemen fürs Feine!

Nach dieser Erkenntnis lief alles wie “Brötchen Backen”. War die Grundschärfe da, ab auf den Streichriemen und nach einigen Zügen war ein deutlicher Glanz zu erkennen und die Lupe war zufrieden. Das 80 Gramm Druckerpapier war hoffnungslos unterlegen und die Armhaare hatten keine Überlebensschance. Nach 4-5 Messern war der Linke Arm absolut kahl und die BEVA schüttelte nur verständnislos aber kommentarlos den Kopf als ich begann, mein Hosenbein aufzukrempeln!

Mein zweites Ergebnis:
Natürlich kann man den Streichriemen auch auf die Tischkante legen, aber bei mir klappte es deutlich besser, wenn ich lediglich die vordere Spitze auflegte und den Riemen am Griff frei über dem Abgrund haltend arbeitete.

Weiter geht’s mit einem anderen Messer:

BILD 8: Hier der deutlich sichtbare Grat an einem leicht ballig geschliffenen Kneissler Messers!

BILD 8: Hier der deutlich sichtbare Grat an einem leicht ballig geschliffenen Kneissler Messers!

BILD 9: Weg ist er der Grat... und man merkt den Unterschied beim ersten Schnitt!

BILD 9: Weg ist er der Grat… und man merkt den Unterschied beim ersten Schnitt!

Meine drittes Ergebnis:
Die 30 mm Riemenbreite kamen mir vor dem Test viel zu gering vor, schon während der ersten Versuche empfand ich das Verhältnis Breite zu Länge jedoch als ideal, solange die Klingen im Bereich bis ca. 95mm lagen. Perfekt also für all meine Taschenmesser. Darüber wird es etwas schwieriger, was aber sicher meiner nicht vorhandenen Übung angelastet werden muss. Bei grösseren Längen ist allerdings ja auch meist die Klingenhöhe grösser und mir kämen da Werte von vielleicht 60 mm als Idealmass in den Sinn.

BILD 10: Ob ich den Belag da auch wieder runter bekomme?

BILD 10: Ob ich den Belag da auch wieder runter bekomme?

Natürlich war für mich nach einigen Messern die Frage im Raum, was passiert mit dem schwarzen Zeugs auf der 1. Seite des Streichriemens, so kann man das doch nicht weiterschicken. Dazu, wie bringt man die Polierpaste dazu, vernünftig auf/im Leder zu pappen???

BILD 11: Na prima, das hätte ich gar nicht gedacht!

BILD 11: Na prima, das hätte ich gar nicht gedacht!

Erstaunlich, wie sich nach wenigen Wischern, mein Bodenreinigungstuch Marke “al Di” verfärbte und das Leder merklich heller wurde.

BILD 12: Und wie krieg ich bloss das weisse Zeugs da jetzt wieder gleichmässig drauf?

BILD 12: Und wie krieg ich bloss das weisse Zeugs da jetzt wieder gleichmässig drauf?

Das Applizieren war wieder so ein Problem. Kaum hatte man angefangen, den aufgebrachten Klecks Paste mit einem Stück Pappe zu verstreichen, war der zu einer Schicht weissem “wasweissich” erstarrt. Mist!

Der 2. Versuch mit den Fingern klappte da schon besser, aber irgendwas machte ich da nicht richtig!?
Wäre das mein Riemen gewesen, hätte ich ein paar Tropfen Kamelinöl zur Hilfe genommen, aber so einen Leihriemen möchte man ja möglichst nicht falsch behandeln???

OK, was tun? Also so dünn wie möglich überall was drauf, mit den Fingern verrieben. Einige Minuten abgewartet und dann das nächste Aspiranten vorsichtig drübergebügelt… aha, da wurde überschüssiges Material runter geschoben und die Sache sah schon merklich besser aus.

BILD 13: Ich mach mal lieber Schluss, ehe ich den Streichriemen noch vollkommen zerlege.

BILD 13: Ich mach mal lieber Schluss, ehe ich den Streichriemen noch vollkommen zerlege.

Sowohl die fehlende Zeit als auch die Sorge, den schönen Streichriemen vollkommen zu ruinieren, haben mich dann bewogen, an dieser Stelle lieber meinen Experimente zu beenden.

Ich hoffe, ich habe nicht zuviel falsch gemacht und der Riemen ist noch zu retten, aber für mich ist klar, ohne Streichriemen fehlt meinen Messern ein deutlich merkliches Quäntchen Schärfe, auf das ich in Zukunft nicht verzichten möchte. Lediglich bei der Schleifpaste würde ich mal ein anderes “Compound” versuchen, in der Hoffnung, dass es sich einfacher und gleichmässiger auftragen lässt.

Also steht ganz oben auf meiner Wunschliste dieses mal kein Messer sondern ein Streichriemen… wobei ich nicht sicher bin, ob Serienprodukt oder “Custom Made”, denn das getestete Modell hat mich restlos überzeugt.

In einem Satz zusammengefasst, das Ergebnis meines Experiments mit diesem Leder Abziehriemen:
Leicht, griffig, wirkungsvoll, tadellos verarbeitet, leicht verstaubar, einfach unersetzlich… was will man mehr!

Und natürlich sage ich danke, “The Great” und all den unsichtbaren Helfern der “Blade-Community“, die mir diesen sehr provisorischen aber trotzdem (für mich äusserst) hilfreichen “Test” ermöglicht haben.

PS
Sollte ich mich noch einmal für einen Passaround anmelden wollen, werde ich allerdings zuvor den Gesundheitszustand innerhalb der Familie überprüfen… versprochen!

Besuch im “Deutschen Klingenmuseum”

Seid Ihr schon mal in Solingen gewesen? Nein? Möchte jemand wissen, wie es dort aussieht?

OK, hier habe ich ein paar Fotos für euch, vom alten Kern des Stadtteils Solingen/Gräfrath, mit seinen traditionellen Gebäuden und Plätzen im Bergischen Stil.

Wenn Sie gerne weiter lesen möchten…